Synopsis
Der nach dem gleichnamigen satirischen Roman von Hugo Bettauer (1872-1925) entstandene Film spielt den Gedanken durch, was passiert, wenn ein Staat seine jüdische Bevölkerung zur Emigration zwingt, um die eigene Wirtschaft zu sanieren: es tritt eine Rezession auf allen Ebenen ein. Bis es zur Rückkehr der Vertriebenen kommt, sind einige Winkelzüge nötig, in Gang gesetzt von einem jüdischen Künstler, der inkognito zurückkehrt und ein subversives Spiel mit den reaktionären Parlamentariern betreibt. Auch wenn es ein Happy Ending gibt, der dystopische Unterton der Filmgroteske ist unüberhörbar.
Restaurierung
Hugo Bettauer wurde ein Jahr nach der Uraufführung des Films 1925 von einem Rechtsradikalen ermordet. Zeitgeschichtlicher Hintergrund für die Entstehung des zu seiner Zeit sehr populären Romans von Hugo Bettauer war die Massenimmigration osteuropäischer Juden während des Ersten Weltkrieg, die den latenten Antisemitismus verschärfte. In der Stummfilmzeit selbst war der Film DIE STADT OHNE JUDEN nur mäßig international bekannt, nach der Stummfilmzeit galt er lange Zeit als verschollen. 1991 wurde im Niederländischen Eye-Filminstitut eine gekürzte Version mit holländischen Zwischentiteln entdeckt; es fehlen in ihr der Schluss wie auch Szenen, die den in den 1920er Jahren herrschenden Antisemitismus in Österreich dokumentieren. Umso spektakulärer war der Fund einer weiteren Nitro-Kopie in Paris im Jahr 2015, die diese bislang fehlenden Materialien enthält. Damit war eine umfassende Restaurierung möglich, bei der auch die ursprüngliche Farbigkeit wieder hergestellt werden konnte.
Der Regisseur
Hans Karl Breslauer (1888–1965) kam als Schauspieler zum Film und arbeitete dann auch als Drehbuchautor. Sein Debut als Filmregisseur gab er 1918 mit der Sascha-Film-Produktion Ihre beste Rolle. Ab 1921 war Breslauer für die Mondial-Film tätig, unter deren Dach er seine eigene Filmproduktionsgesellschaft, die H.K.B.-Film gründete. 1923 inszenierte er seinen erfolgreichsten Film, DIE STADT OHNE JUDEN. Anschließend wandte er sich mehr und mehr der Schriftstellerei zu und publizierte regelmäßig in Österreich und Deutschland. Breslauer trat 1940 in die NSDAP ein. Er starb 1965 in Salzburg.
Credits
Spielfilm, Österreich 1924, Länge: 01:26:52; viragiert
Mit: Johannes Riemann (Leo Strakosch), Karl Thema (Rat Linder, Führer der Liberalen), Anny Milety (Lotte, Tochter von Rat Linder, verlobt mit Leo Strakosch), Eugen Neufeld (der Kanzler), Hans Moser (Rat Bernart, ein Abgeordneter der Großdeutschen), Ferdinand Mayerhofer (Rat Volbert, ein Abgeordneter der Großdeutschen)
Regisseur / Director:
Hans Karl Breslauer
Buch / Screenplay:
Hans Karl Breslauer, Ida Jenbach
nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer (1922)
Kamera / Director of Photography:
Hugo Eywo
Produktion:
H.K.B-Film im Konzern der Mondial Internationale Filmindustrie AG, Wien
Musik/Music (2017):
Olga Neuwirth – in memoriam Eric Pleskow –
Auftraggeber/Commissioned by
Konzerthaus Wien, Barbican Centre London, Ensemble Intercontemporain Paris, Elbphilharmonie Hamburg, Sinfonieorchester Basel
Einspielung/Performed by
Ensemble Intercontemporain Soloists
Martin Adámek (Klarinette/clarinette), Vincent David * (Saxophon/saxophone), Lucas Lipari-Mayer (Trompete/trumpet), Jérôme Naulais (Posaune/trombone), Samuel Favre (Percussion/percussion), Sébastien Vichard (Klavier/piano), Pierre Bibault * (Elektro Gitarre/electric guitar), John Stulz (Viola/viola), Pierre Strauch (Violoncello/violoncello)
*Gastmusiker/guest musicians
Dirigent/Conductor:
Matthias Pintscher
Mehdi Lougraïda (Assistent/Assistant)
Aufnahme und Postproduktion/Recording and postproduction:
Studios Ferber Paris, picaroMEDIA Berlin, Amann Studios Wien
Projektmanager/Project Manager:
Marine Gaudry, Jean Radel
Tonmeister/Sound Engineer:
Clément Cornuau
Mischung/Sound Mixing:
Olga Neuwirth, Clément Cornuau
Verlag/Publisher:
© G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH
Auszug aus / excerpt from „Immer wieder Österreich“
aufgenommen von / recorded by John Ottis Band, Copyright Control
Produzent/Producer:
Thomas Schmölz (2eleven music film)
Redaktion/Editor:
Nina Goslar
Filmrekonstruktion/Film Reconstruction:
Filmarchiv Austria, Nikolaus Wostry, Ernst Kieninger
Digitale Filmrestaurierung/Digital Filmrestoration:
Marco Gstettenhöfer, Fumiko Tsuneishi
Eine Produktion des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE
A ZDF production in collaboration with ARTE
© ZDF 2020 (der Musikaufnahme/music recording)
Trailer
Olga Neuwirth erhält den Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik 2020
„Ich will mich nicht wegjodeln lassen.“ So bringt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ihr „Abenteuer Komponieren“ auf den Punkt. In diesem Jahr zeichnet die Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz sie für ihr künstlerisches Lebenswerk mit dem Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik aus.
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Ein Online-Booklet von absolut MEDIEN
in Zusammenarbeit mit ARTE Deutschland.
© 2020 absolut MEDIEN
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Synopsis und Restaurierung
Der nach dem gleichnamigen satirischen Roman von Hugo Bettauer (1872-1925) entstandene Film spielt den Gedanken durch, was passiert, wenn ein Staat seine jüdische Bevölkerung zur Emigration zwingt, um die eigene Wirtschaft zu sanieren: es tritt eine Rezession auf allen Ebenen ein. Bis es zur Rückkehr der Vertriebenen kommt, sind einige Winkelzüge nötig, in Gang gesetzt von einem jüdischen Künstler, der inkognito zurückkehrt und ein subversives Spiel mit den reaktionären Parlamentariern betreibt. Auch wenn es ein Happy Ending gibt, der dystopische Unterton der Filmgroteske ist unüberhörbar.
Hugo Bettauer wurde ein Jahr nach der Uraufführung des Films 1925 von einem Rechtsradikalen ermordet. Zeitgeschichtlicher Hintergrund für die Entstehung des zu seiner Zeit sehr populären Romans von Hugo Bettauer war die Massenimmigration osteuropäischer Juden während des Ersten Weltkrieg, die den latenten Antisemitismus verschärfte. In der Stummfilmzeit selbst war der Film DIE STADT OHNE JUDEN nur mäßig international bekannt, nach der Stummfilmzeit galt er lange Zeit als verschollen. 1991 wurde im Niederländischen Eye-Filminstitut eine gekürzte Version mit holländischen Zwischentiteln entdeckt; es fehlen in ihr der Schluss wie auch Szenen, die den in den 1920er Jahren herrschenden Antisemitismus in Österreich dokumentieren. Umso spektakulärer war der Fund einer weiteren Nitro-Kopie in Paris im Jahr 2015, die diese bislang fehlenden Materialien enthält. Damit war eine umfassende Restaurierung möglich, bei der auch die ursprüngliche Farbigkeit wieder hergestellt werden konnte.
English text version
Elfriede Jelinek
City without everything
Olga Neuwirth
Camouflage, Ironic Distance and Acoustic Rage
Der Regisseur
Hans Karl Breslauer (1888–1965) kam als Schauspieler zum Film und arbeitete dann auch als Drehbuchautor. Sein Debut als Filmregisseur gab er 1918 mit der Sascha-Film-Produktion Ihre beste Rolle. Ab 1921 war Breslauer für die Mondial-Film tätig, unter deren Dach er seine eigene Filmproduktionsgesellschaft, die H.K.B.-Film gründete. 1923 inszenierte er seinen erfolgreichsten Film, DIE STADT OHNE JUDEN. Anschließend wandte er sich mehr und mehr der Schriftstellerei zu und publizierte regelmäßig in Österreich und Deutschland. Breslauer trat 1940 in die NSDAP ein. Er starb 1965 in Salzburg.
Trailer
Weiterführendes Material
Elfriede Jelinek
Stadt ohne alles
City without everything
Was die Macht sagt oder tut, das stimmt von ihrer Warte aus, ist unbedingt wahr, denn diese Warte, von der aus man etwas tut oder auch nur beobachtet, steht ja auch auf dem Gebiet der Macht. Die Machtlosen zeigen mit dem Finger und sagen, nein, flüstern, alle Aussagen der Macht, alle ihre Ausformungen und Erscheinungsformen, seien nur bedingt wahr, also eigentlich unwahr. So treten sie gegeneinander an …
Der von Elfriede Jelinek eigens verfasste Text liegt zweisprachig vor:
deutsch | english
Credits
Spielfilm, Österreich 1924, Länge: 01:26:52; viragiert
Mit: Johannes Riemann (Leo Strakosch), Karl Thema (Rat Linder, Führer der Liberalen), Anny Milety (Lotte, Tochter von Rat Linder, verlobt mit Leo Strakosch), Eugen Neufeld (der Kanzler), Hans Moser (Rat Bernart, ein Abgeordneter der Großdeutschen), Ferdinand Mayerhofer (Rat Volbert, ein Abgeordneter der Großdeutschen)
Regisseur / Director: Hans Karl Breslauer
Buch / Screenplay: Hans Karl Breslauer, Ida Jenbach
nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer (1922)
Kamera / Director of Photography: Hugo Eywo
Produktion: H.K.B-Film im Konzern der Mondial Internationale Filmindustrie AG, Wien
Musik/Music (2017): Olga Neuwirth – in memoriam Eric Pleskow –
Auftraggeber/Commissioned by Konzerthaus Wien, Barbican Centre London, Ensemble Intercontemporain Paris, Elbphilharmonie Hamburg, Sinfonieorchester Basel
Einspielung/Performed by Ensemble Intercontemporain Soloists
Martin Adámek (Klarinette/clarinette), Vincent David * (Saxophon/saxophone), Lucas Lipari-Mayer (Trompete/trumpet), Jérôme Naulais (Posaune/trombone), Samuel Favre (Percussion/percussion), Sébastien Vichard (Klavier/piano), Pierre Bibault * (Elektro Gitarre/electric guitar), John Stulz (Viola/viola), Pierre Strauch (Violoncello/violoncello)
*Gastmusiker/guest musicians
Dirigent/Conductor: Matthias Pintscher
Mehdi Lougraïda (Assistent/Assistant)
Aufnahme und Postproduktion/Recording and postproduction: Studios Ferber Paris, picaroMEDIA Berlin, Amann Studios Wien
Projektmanager/Project Manager: Marine Gaudry, Jean Radel
Tonmeister/Sound Engineer: Clément Cornuau
Mischung/Sound Mixing: Olga Neuwirth, Clément Cornuau
Verlag/Publisher: © G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH
Auszug aus / excerpt from „Immer wieder Österreich“
aufgenommen von / recorded by John Ottis Band, Copyright Control
Produzent/Producer: Thomas Schmölz (2eleven music film)
Redaktion/Editor: Nina Goslar
Filmrekonstruktion/Film Reconstruction: Filmarchiv Austria, Nikolaus Wostry, Ernst Kieninger
Digitale Filmrestaurierung/Digital Filmrestoration: Marco Gstettenhöfer, Fumiko Tsuneishi
Eine Produktion des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE
A ZDF production in collaboration with ARTE
© ZDF 2020 (der Musikaufnahme/music recording)
Klaus Kalchschmid, Crescendo
Zur Musik von Olga Neuwirth
Olga Neuwirth wagt viel und gewinnt noch mehr mit ihrer ebenso kühnen wie stilistisch vielfältig geschichteten Musik zu einem Film wie DIE STADT OHNE JUDEN, der zugleich Antisemitismus vorführt und sich ihm entgegenstellt …
»Ich will mich nicht wegjodeln lassen.« So bringt die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ihr »Abenteuer Komponieren« auf den Punkt. In diesem Jahr zeichnet die Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz sie für ihr künstlerisches Lebenswerk mit dem Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik aus.
DIE STADT OHNE JUDEN ist der dritte Teil einer jüdischen Stummfilm-Triologie, bestehend aus:
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